Julia Malischnig begeisterte mit ihrem 8. Gitarrenfestival in Erl – drei höchst unterschiedliche Konzertabende, eine umjubelte Uraufführung und dreimal Standing Ovations
ERL. Drei Tage, drei musikalische Welten und dreimal ein Publikum, das sich am Ende von den Sitzen erhob: Das 8. Internationale Gitarrenfestival „La Guitarra Erl“ im Festspielhaus wurde zu einem eindrucksvollen Plädoyer für musikalische Vielfalt. Intendantin Julia Malischnig spannte unter dem Motto „Ritmos de Corazón“ einen Bogen vom ursprünglichen Flamenco über die außergewöhnliche Verbindung von Gitarrenmusik und Big-Band-Sound bis zur grenzenlosen Weltmusik von Latin-Grammy-Gewinnerin Buika.
Flamenco zwischen Feuer und leisen Tönen
Den Auftakt setzte der spanische Ausnahmegitarrist Daniel Casares mit seinem Flamenco-Sextett. Unter dem Titel „El poder de lo sutil – von der Kraft der leisen Töne“ zeigte der Musiker aus Málaga, dass Flamenco weit mehr ist als rasante Gitarrenläufe. Stimme, Tanz, Percussion und Saiten verschmolzen zu einem intensiven Dialog, in dem sich Virtuosität und Emotion gegenseitig steigerten. Casares, der bereits mit 16 Jahren den renommierten Bordón Minero de La Unión gewann, verbindet seine tiefe Verwurzelung im andalusischen Flamenco mit einer zeitgemäßen, offenen Klangsprache. Flamenco mit Herznote!
Ein musikalisches Experiment geht voll auf
Zum eigentlichen Herzstück des Festivals wurde am Freitag die Uraufführung von „Ritmos de Amistad“. Julia Malischnig wagte dabei ein Experiment: Kann die intime, feingliedrige Klangwelt der Gitarre mit der Wucht und Farbenvielfalt einer Big Band zu einer Einheit werden? Die Antwort des Abends fiel eindeutig aus: Ja.
Grundlage waren Stücke aus Malischnigs neuem Album „AMISTAD“, einer Hommage an Freundschaft und kulturelle Verbundenheit. Gemeinsam mit Gitarrist Cecilio Perera, Akkordeonist Klaus Paier, Wolfgang Puschnig an Flöte und Saxophon, Cellistin Asja Valčić, Bassist Stefan Gfrerrer, Percussionist Klaus Lippitsch und Tänzerin Marina Razumovskaja traf Malischnigs Ensemble auf die kelagBIGband.
Dreimal Standing Ovations
So unterschiedlich die großen Konzertabende waren, eines hatten sie gemeinsam: Das begeisterte Publikum dankte dreimal mit stehenden Ovationen. Ein stärkeres Kompliment für die programmatische Arbeit von Julia Malischnig ist kaum denkbar.
Nach acht Ausgaben hat sich La Guitarra Erl längst von einem reinen Gitarrenfestival zu einem musikalischen Treffpunkt entwickelt, an dem die Gitarre Türen in andere Klangwelten öffnet. Flamenco aus Andalusien, lateinamerikanische Rhythmen, Big-Band-Jazz, Kammermusik und globale Sounds fanden im Festspielhaus zusammen. Gerade diese Vielfalt machte die drei Festivaltage aus.